Kleinere belastende Ereignisse (Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, kleinere Unfälle) verarbeiten wir in der Regel innerhalb von Stunden oder Tagen. Schwerwiegende Ereignisse können zu einer erheblichen Belastungsreaktion führen, die unser Denken und Fühlen beeinträchtigen können. Schwerwiegende Ereignisse wie Terror, Krieg, Vertreibung, Missbrauch, Vergewaltigung, Mobbing, Herzoperationen, auch Herzrhythmusstörungen oder der Tod einer nahestehenden Person können zu langanhaltenden psychischen Beschwerden führen, die wir als posttraumatische Belastungsreaktion bezeichnen. Gewalt, die von Menschen ausgeübt wurde, wirkt dabei traumatischer als z.B. Naturkatastrophen.

Ein charakteristisches Symptom ist das Vermeidungsverhalten mit der Befürchtung, wieder in ähnliche Situationen zu geraten. Die Folge ist sozialer Rückzug und Isolation. Typisch für posttraumatische Reaktionen ist das unkontrollierte Wiedererleben der traumatischen Situation, indem quälende Erinnerungen hochsteigen und zu Angst, Reizbarkeit, Anspannung und Schlafstörungen führen.

Herztrauma

Beim „Herztrauma“ wird z.B. ein Infarkt immer wieder in Träumen oder Tagträumen erlebt. Die Folge sind Gefühlsabstumpfung, die sich auch gegen alle anderen Gefühle richtet, emotionaler Rückzug, der vor allem die Familie sehr belastet und vegetative Reaktionen wie Übererregbarkeit. Andere Personen können diese Überreaktionen meistens nicht verstehen. Herzrhythmusstörungen werden häufig als lebensbedrohlich erlebt.

Trauer und Belastung

Herzerkrankungen lösen seelische Reaktionen aus, die aber zunächst nicht als Krankheit bezeichnet werden. Die Belastungen werden von jedem Patienten anders verarbeitet. Die einen verleugnen die Tatsache einer Herzerkrankung schon wenige Tage nach einem Infarkt und fühlen sich völlig gesund, andere entwickeln hypochondrische Befürchtungen oder Depressionen.

Der Psychokardiologe Christoph Herrmann-Lingen beschreibt das folgendermaßen:
„Eine Herzerkrankung stellt für Patienten eine erhebliche psychische Belastung dar. Akut können Schmerzen bis hin zum Vernichtungsschmerz, Luftnot und Bewusstlosigkeit Todesängste auslösen, oft begleitet von Gefühlen der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Im Verlauf muss der eingetretene Verlust der körperlichen Integrität und teilweise auch des Urvertrauens mehr oder weniger intensiv betrauert und die Angst vor erneuten Ereignissen bewältigt werden. Patienten müssen sich mit ihrem veränderten Körpergefühl, reduzierter Leistungsfähigkeit, weiter bestehenden Beschwerden und dem Risiko potenziell lebensbedrohlicher Komplikationen auseinandersetzen.“1

Anpassungsstörung

Die Charakteristika der Anpassungsstörung und der Belastungsreaktion fallen häufig nicht weiter auf und sind in aller Regel nur schwer von einer normalen Trauerreaktion oder einer verständlichen „Realangst“ zu unterscheiden. Oft treten nach einer Herzoperation, nach  anhaltenden Herzrhythmusstörungen oder nach einem Infarkt depressive Reaktionen auf, der Patient fühlt sich niedergestimmt und fürchtet, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können. Das rechtfertigt noch keine Diagnose einer Depression. Kommen aber Angstsymptome in Form von ängstlicher Selbstbeobachtung oder Vermeidung körperlicher Aktivitäten hinzu, könnte es sich um eine Anpassungsstörung handeln.

Scheuen Sie sich nicht, einen Arzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen, wenn die Trauer oder die Angst vor der Krankheit sie festhält.Gönnen Sie sich trotzdem Zeit, Ihre Belastungen aufzuarbeiten und suchen Sie Gleichgesinnte, die vielleicht aus ihrem Erfahrungsschatz berichten können. Und fragen Sie: „Wie hast Du das bewältigt?“