Etwa 50% aller Herzpatienten geben an, unter Depressionen als Folge der Herzerkrankung zu leiden. Häufig werden diese dennoch nicht erkannt, obwohl sie großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Genesung nach einer Herzerkrankung haben. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der Frühverrentung von Infarktpatienten nicht wegen der Herzerkrankung, sondern wegen Depressivität kombiniert mit Angst erfolgt.1

20% der Erkrankten haben nach eigenen Angaben vorher noch nie unter einer Depression gelitten. Bei ihnen handelt es sich häufig um Typ-D-Persönlichkeiten, also eher nach innen gekehrte Menschen, die in Krisensituation zum Rückzug von anderen Menschen neigen und Einbrüche des Selbstvertrauens kennen.

Andere litten schon vorher unter depressiven Verstimmungen. Bei Personen, die unter Depressionen leiden, ist das Risiko eines Herzinfarktes um mehr als die Hälfte erhöht, sodass Depressionen einen ähnlichen Risikofaktor darstellt wie das Rauchen.2

Selbst leichte Depressionen hemmen den Gesundungsprozess erheblich. Depressive Patienten erleben ihr Herzgeschehen zwar massiver und gehen deshalb öfter zum Arzt. Allerdings wird die zugrunde liegende Depression als Auslöser der diagnostizierten Herzerkrankung  oft nicht erkannt und deshalb auch nicht behandelt. Zudem lassen sich depressive Patienten schwerer zu REHA Maßnahmen motivieren und rauchen häufiger, da Nikotin eine anti-depressive Wirkung entfaltet.

Symptome einer Depression

Etwa 6 Millionen Deutsche leiden jährlich unter einer Depression, die alle Bereiche des Lebens beeinträchtigt. Die Symptome können im Tagesverlauf schwanken und sich gegen Abend bessern oder zeitweise ganz verschwinden. Betroffen sind die Gedanken, die Gefühle, der Körper und das Verhalten.

Negative Gedanken und Pessimismus

Depressive Personen „kleben“ an negative Gedanken, die meist um die eigene Person kreisen. Sie neigen dazu, negativ über die Zukunft zu grübeln, typisch sind Schuldgefühle und Selbstvorwürfe, die in Selbstmordgedanken münden können. In Phasen tiefster Verzweiflung kann es zu Selbstmordversuchen kommen. Hinzu kommen Konzentrations- und Entscheidungsschwierigkeiten; es scheint unmöglich, sich etwas zu merken oder sich für etwas zu entscheiden.

Körperliche Symptome

Im Vordergrund stehen Erschöpfung und Antriebslosigkeit, selbst das Nichtstun fällt schwer. Aber Vorsicht, bei besonderen Formen der Depression kann es zu einer Antriebssteigerung, einer inneren Unruhe, Anspannung und Rastlosigkeit kommen bis hin zu Erregungszuständen.

Manchmal kommen Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Magen-Darm Probleme und Angina pectoris hinzu. Auffällig sind Ein- und Durchschlafprobleme mit frühmorgendlichem Erwachen, was wiederum zu körperlicher und mentaler Erschöpfung führt. Bei den meisten Formen der Depression leiden Betroffene an Appetitlosigkeit. Allerdings gibt es auch Formen, in denen Depressive einen Heißhunger auf Kohlehydrate bekommen (Spaghettidepression). Die Libido geht verloren, man hat keine Lust auf Sex.

Negative Gefühle

Depressive Personen sind von einer Aura der Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung und Traurigkeit umgeben. Sie empfinden keine Freude, haben keinen Spaß mehr an Dingen, die sie früher gern gemacht haben. Eine innere Leere breitet sich aus, es kommt ihnen vor, als könnten sie ihre Gefühle nicht mehr spüren. Selbst für Partner oder Kinder können sie oft keine Zuneigung mehr aufbringen. Viele haben Minderwertigkeitsgefühle und fühlen sich als Versager, ziehen sich zurück und vereinsamen.

Ängste kommen hinzu

Depressionen werden häufig zusätzlich von quälenden Ängsten begleitet: Die Angst, den Partner zu verlieren, Angst vor der Zukunft, Angst dem Leben nicht mehr gewachsen zu sein.

1 Ch. Herrmann-Lingen in Psychokardiologie – Ein Praxisleitfaden für Ärzte und Psychologen; Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2008, S. 101

2 Rugulies R., Depression as a predictor for coronary heart disease. a review and meta-analysis, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12093424