In den letzten Jahrzehnten ist es in Deutschland zu einer „Adipositas – Epidemie“ gekommen. 55% der Frauen und 65% der deutschen Männer neigen zu Übergewicht. Schuld daran ist unzweifelhaft die ungünstige Zusammensetzung industrieller Nahrungsmittel. Normalerweise sind wir nicht in der Lage, große Mengen reines Fett oder puren Zucker zu essen. Die Mischung von Fett und Zucker in Süßspeisen scheint für uns Menschen aber unwiderstehlich zu sein.

Das weiß die Nahrungsmittelindustrie und setzt beides großzügig ein, selbst dort, wo man es nicht erwartet – ein Blick auf die Zutatenliste von abgepacktem Brot etwa enthüllt häufig Zucker und Fette als Zutaten, die in einem herkömmlichen Sauerteigbrot nichts zu suchen haben. Industriell gefertigte Speisen beinhalten in der Regel  zu wenig Ballaststoffe,  sodass es häufig zu Unwohlsein und Bauchbeschwerden kommt. Unverträglichkeiten treten immer mehr in den Vordergrund.

Vorsicht vor „Essens-Mythen“!

Problematisch können auch weit verbreitete Essens-Mythen sein. Wir denken beispielsweise, wer viel Fett isst, sorge für hohe Cholesterinwerte. Umgekehrt führe ein Übermaß an Kohlehydrat-Zufuhr durch hohen Zuckergehalt im Essen zu Diabetes . Paradoxerweise ist es umgekehrt: Amerikanische Ernährungswissenschaftler haben festgestellt, dass übermäßiges Essen von Kohlehydraten (Brot, Müsli, Marmelade) zu einem Anstieg der ungünstigen Cholesterinwerte führt.1 Für Herz-Kreislauf Patienten hat das fatale Folgen, denn selbst mit Medikamenten sind Cholesterinwerte schwer in Griff zu bekommen.

Das Fett in unserer Nahrung lässt hingegen Diabetes entstehen. Bis zum Jahr 2000 hatten Mediziner bei Diabetes-Patienten hauptsächlich den Blutzucker im Fokus. Heute stehen vor allem die Cholesterinwerte im Vordergrund.

Weniger Salz, mehr Genuss

Für Herzkranke und Menschen mit hohem Blutdruck spielt noch eine weitere Zutat eine entscheidende Rolle: Salz. Zur Senkung des Blutdrucks und Verbesserung des Allgemeinbefindens wird eine kochsalzbeschränkte Ernährung empfohlen. Bei Hochdruckkranken kann durch eine Minimierung der Kochsalzaufnahme auf 6 g am Tag (im Gegensatz zu den üblicherweise verzehrten 10-15 g) ein Abfall des systolischen Blutdrucks von etwa 5-7 mmHg erreicht werden!

Auch hier gilt: In industriell gefertigten Nahrungsmitteln, Fertigprodukten und Pökelwaren wird viel zu viel Salz verarbeitet. Es hilft, ungepökelte Bio-Fleischerzeugnisse und Käse einzukaufen, um die Einnahme von Nitritpökelsalz zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil: Je weniger Salz wir konsumieren, desto sensibler und empfänglicher werden unsere Geschmacksknospen für feinere Geschmäcker. Probieren Sie einfach mal eine Weile aus, statt Salz bekannte und neue Kräuter und Gewürze einzusetzen. Dazu braucht es ein bisschen Geduld: Am Anfang erscheinen gewohnte Rezepte zu „lasch“; doch wer dabei bleibt, erlebt eine richtig gehende Erholung des Geschmacksinnes und eine neue Vielschichtigkeit der Aromen. Niemals nachsalzen! Lieber den subtilen Geschmacksnoten „hinterherschmecken“ – bald wird dieses neue, feine Kochen und Genießen zur gesunden, genussvollen Gewohnheit.

Die Mittelmeerküche (viel Obst und Gemüse, fettarme Milchprodukte, wenig rotes Fleisch, mehr Fisch) senkt nachweislich über lange Zeit einen erhöhten Blutdruck in gleichem Ausmaß. Sie ist ebenfalls kochsalzarm.

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Ernährungsumstellung

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft stellte folgende Grundaspekte zur Ernährungsumstellung auf:

  1. Diäten sind nicht sinnvoll. Somit sollte den Patienten von Diäten abgeraten werden.

2. Eine zu schnelle Gewichtsabnahme ist nicht sinnvoll. Angestrebt wird eine Gewichtabnahme von maximal 500g/Woche zu erreichen. Dafür müssen täglich etwa 500 Kilokalorien weniger zugeführt werden, als dies bei Beibehaltung eines konstanten Körpergewichtes notwendig ist – oder aber 500 Kalorien/Tag mehr verbrannt werden.

3. Es gibt keine Verbote für Nahrungsmittel. Patienten können alles essen.

4. Besonders ungünstig in der Entwicklung der Adipositas ist ein hoher Fettanteil in der Ernährung sowie ein hoher Alkoholkonsum. Wesentlich ist es deshalb in der Umstellung der Ernährung, die Fettanteile systematisch und deutlich zu verringern und den Alkoholkonsum deutlich zu reduzieren (maximal ca. 25g Alkohol/Tag).

5. Einen besonderen gesundheitsfördernden Aspekt hat die vegetarisch ausgerichtete, mediterrane Kost. Bevorzugt werden deshalb in der Ernährungsumstellung kalorienärmere Bestandteile und komplexe Kohlenhydrate.

6. Fettreiche, kalorienhaltige Nahrung wie z.B. Schokolade sollte primär unter dem Genussaspekt gegessen werden (Schokolade ist erlaubt, aber in sehr geringen Mengen und primär zum bewussten Genuss). Patienten werden in verhaltensmedizinischen Adipositasprogrammen angeleitet, den Genussaspekt dieser Nahrungsmittel wieder systematisch zu erlernen.

7. Die Ernährung sollte möglichst abwechslungsreich und gesund sein (viel Obst und Gemüse).

8. Regelmäßige Mahlzeiten (in der Regel drei Mahlzeiten mit zwei Zwischenmahlzeiten) scheinen für die Adipositasbehandlung nach wie vor besonders wichtig zu sein.

9. Ausreichendes Trinken von Flüssigkeit ist Grundbestandteil jeder Adipositasbehandlung.2

2 Volker Köllner, Miachael Broda in: Praktische Verhaltensmidizin, Thieme Verlag, Stuttgart, S. 100 ff