Es gibt unterschiedliche Formen von Herzrhythmusstörungen. Mediziner unterscheiden nach dem Ort ihrer Entstehung, danach wie schnell und danach, wie unregelmäßig das Herz schlägt. Mit der freundlichen Unterstützung der Schweizerischen Herzstiftung werden im Folgenden einige Fachbegriffe und Formen von Herzrhythmusstörungen erklärt, die Sie vielleicht in Ihrem ärztlichen Befund finden.

Trotz unterschiedlichem Ort und Ursache der Entstehung weisen fast alle Herzrhythmusstörungen ähnliche Symptome auf: starkes Herzklopfen (Palpitationen), Schwächegefühl, Kurzatmigkeit und besonders bei Vorhofflimmern ein unangenehmes, manchmal beängstigendes Gefühl in der Brust.

Manche Arrhythmien werden gar nicht bemerkt, andere werden als beeinträchtigend empfunden und einige können sogar zum Verlust des Bewusstseins führen (Synkope). In diesem Fall wird das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, wie z.B. bei einer Bradykardie, wenn das Herz mit 20 Schlägen pro Minute deutlich zu langsam schlägt, oder einer akuten Tachykardie, wenn das Herz mit 200 Schlägen pro Minute lebensbedrohlich schnell schlägt.

Eine flache Lagerung auf den Rücken und Hochlegen der Beine führt bei Bewusstlosigkeit in den meisten Fällen zu einer Besserung. Bleibt die Person aber bewusstlos, handelt es sich um einen Notfall mit der Gefahr eines Herzstillstands. Dann gilt es, unverzüglich lebensrettende Sofortmaßnahmen (Herzmassage und Beatmung, Defibrillation usw.) zu ergreifen.

Unterscheidung nach dem Ort der Entstehung

Von einer supraventrikulären Arrhythmie wird gesprochen, wenn die Ursache der Störungen in den Vorhöfen oder im AV-Knoten liegt. Entsteht die Arrhythmie im Bereich der Herzkammern (Ventrikel), wird von einer ventrikulären Arrhythmie gesprochen.

Durch eine Arrhythmie kann die Frequenz des Herzschlags verändert werden. Bei zu schnellem Puls handelt es sich um eine Tachykardie. Hier handelt es sich um einen Puls ab 140 Schlägen pro Minute. Bei einem Puls von 200 Schlägen pro Minute kommt der Blutkreislauf zum Erliegen, weil die „flatternde“ Herzmuskulatur keinen Blutauswurf mehr zustande bringt.

Wird der Puls verlangsamt, handelt es sich um eine Bradykardie.

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Die häufigsten Herzrhythmusstörungen

Extrasystolen
Extrasystolen sind zusätzliche Herzschläge, die den normalen Sinusrhythmus stören und sich als „Aussetzer“ oder „Herzstolpern“ bemerkbar machen. Extrasystolen kommen auch bei gesunden Menschen vor und brauchen in der Regel nicht behandelt werden.

Gelegentlich werden Extrasystolen durch Stress, Aufregung, Alkohol- oder Kaffeekonsum, Fieber oder Störungen der Mineralstoff-Konzentration ausgelöst. Auch diese Extrasystolen sind harmlos – sie verschwinden, wenn die Ursache behoben wird.1

Sind Extrasystolen aber eine Folge einer Herz- und Kreislauf Erkrankung, so muss die Ursache der Extrasystolen genau untersucht werden und das Grundleiden bedarf einer  Behandlung, z B. durch entsprechende Medikamente. In Frage kommen Herzmuskelerkrankungen, Herzinsuffizienz oder eine Verengung der Herzkranzgefäße.

Die Diagnose stellt Ihr Kardiologe durch ein Ruhe- und Langzeit-EKG, Ergometrie mit körperlicher Belastung und Echokardiografie durch Ultraschall.


Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist die häufigste Art von Herzrhythmusstörung. Die Schweizerische Herzstiftung schreibt: „Vorhofflimmern wird durch eine Art elektrisches Gewitter“ im Reizleitungssystem des Herzens verursacht. Die Pumpaktivitäten der Vorhöfe und der Herzkammern sind nicht mehr aufeinander abgestimmt – dadurch nimmt die Herzleistung ab. Kurzfristig können die Herzkammern diesen Leistungsrückgang kompensieren, doch wenn das Vorhofflimmern länger anhält, werden die Herzkammern überlastet und es kann sich eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) entwickeln.“2

Mögliche Folgen
Vorhofflimmern stellt in aller Regel keine akute Gefahr dar, kann aber fortschreitend und potenziell gefährlich sein: Menschen mit Vorhofflimmern erleiden häufiger einen Hirnschlag oder eine Herzinsuffizienz.

Verschiedene Formen von Vorhofflimmern
Anfallmäßiges Vorhofflimmern soll nicht länger als sieben Tage dauern und wieder spontan aufhören (Paroxysmales Vorhofflimmern).
Andauerndes Vorhofflimmern dauert länger als sieben Tage und hört nicht von selbst auf (Persistierendes Vorhofflimmern).
Besteht das Vorhofflimmern mehr als sechs Monate, wird es Permanentes Vorhofflimmern genannt.

Ursachen
Auslöser für Vorhofflimmern sind oft bestehende Herzkrankheiten wie Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Herzinfarkt (Myokardinfarkt). Weitere Ursachen können eine Schilddrüsen-Überfunktion (Hyperthyreose) oder Alkoholmissbrauch sein.

Symptome
Typische Symptome für Vorhofflimmern sind rasches Herzklopfen (Palpitationen), das über Stunden andauern kann, ein Enge- oder Druckgefühl in der Brust (Angina pectoris), Atemnot oder Müdigkeit. Bei jedem dritten Patienten löst das Vorhofflimmern aber keinerlei Beschwerden aus.Erschwerend für die Diagnostik ist die wechselnde Symptomatik. Anfängliche Symptome können verschwinden, wenn sich eine andauernde Herzrhythmusstörung manifestiert.

Komplikationen

Hirnschlag
Unregelmäßige Pumpbewegungen der Vorhöfe führen laut Schweizerischer Herzstiftung dazu, dass es in den Gefäßen zu Verwirbelungen kommt und im Herz vermehrt Blutgerinnsel auftreten. Durch den Blutkreislauf können diese Gerinnsel in das Gehirn geschwemmt werden und dort zu einem Hirnschlag führen.

Herzinsuffizienz
In vielen Fällen ist die Folge von Vorhofflimmern eine Herzschwäche. Unrhythmische Bewegungsabläufe zwischen Vorhof und Herzkammer führen zu einem verminderten Blutausstoß in die Gefäße. Um die Unterversorgung mit Sauerstoff und Blut auszugleichen, erweitern sich Vorhöfe und Herzkammern, es entwickelt sich eine Fibrose, bei der Herzmuskelgewebe in Bindegewebe umgewandelt wird. Die Ausstoßleistung des Herzens mindert sich dadurch.

Herz-Kreislauf-Stillstand
Personen mit andauerndem Vorhofflimmern sind der Gefahr eines Herz-Kreislauf-Stillstandes ausgesetzt.

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Risikofaktoren und Vorbeugung

Mit dem Alter nehmen Herzrhythmusstörungen zu. Ein wichtiger Faktor, ob man einmal darunter leiden wird, ist der Lebensstil. Hier finden Sie die wichtigsten Risikofaktoren und Vorsorgemöglichkeiten für Rhythmusstörungen.

  • Rauchen und Nikotinkonsum gilt als der wichtigste schädigende Umweltfaktor
  • Übermäßiger Konsum von Alkohol. die Weltgesundheitsorganisation schlägt maximal 0,4 Liter Bier oder 0,2 Liter Wein vor. Auf Schnäpse und ähnliche Alkoholika sollte verzichtet werden
  • Übergewicht ist in den meisten Fällen die Ursache von Bewegungsmangel
  • Unausgewogene Ernährung – empfohlen wird mediterrane Ernährung mit ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl) und wenig rotes Fleisch
  • Ein bereits erlittener Herzinfarkt kann zu Narbenbildung geführt haben und begünstigt HRhSt.
  • Herzinsuffizienz(Herzschwäche)
  • Bluthochdruck – für Patienten, die wenig Bewegung haben, empfehlen wir die Patientenschulung für Arterielle Hypertonie, die von Kliniken und Selbsthilfegruppen angeboten wird
  • Andere Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • Begleiteter Sport in Herzsportgruppen, regelmäßige Bewegung, Wandern in Gruppen
    oder Spaziergänge sind eine gute Vorsorge
  • Rauchen aufhören. Wer das nicht alleine schafft, kann sich Hilfe durch Therapeuten oder Coaches holen. Adressen und Unterstützung finden Sie bei der Selbsthilfegruppe „Herzkrank – Wohin mit den Ängsten und Sorgen?“

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Behandlung

Die Medizin kennt unterschiedliche Wege zur Behandlung. Um den Herzrhythmus zu stabilisieren, bieten sich die Rhythmuskontrolle, die Frequenzkontrolle oder die Blutverdünnung an.

Die Rhythmuskontrolle
Wenn das Herz unregelmäßig schlägt, können zur Rhythmuskontrolle verschiedene Methoden angewandt werden. In vielen Fällen können Medikamente den Herzrhythmus unter Kontrolle bringen, sie können aber starke Nebenwirkungen haben. Eine weitere Möglichkeit ist die Defibrillation, bei der unter ärztlicher Kontrolle ein Stromstoß Vorhofflimmern unterbinden und das Herz wieder in einen normalen Rhythmus bringen soll.

Die Katheterablation ist ein operativer Eingriff durch die Leistenvene und kann bei jenen Patienten eingesetzt werden, bei denen krankhafte Reizleiter das Vorhofflimmern auslösen.

Die Frequenzkontrolle
Zur Kontrolle der Herzfrequenz, also der Geschwindigkeit, mit der das Herz schlägt, werden vordergründig Medikamente eingesetzt. Wo das nicht hilft , kann ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

Die Blutverdünnung
Bei Personen mit Vorhofflimmern treten gehäuft Blutgerinnsel auf, die zu Hirnschlag oder Herzinfarkt führen können. Dem kann mit Blutverdünnung (Antikoagulation) vorgebeugt werden. Da es leichter zu Blutungen kommen kann, sollte der Patient in die Grundkenntnisse der Blutverdünnung eingeführt werden und unter ärztlicher Kontrolle sein.

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Ventrikuläre Tachykardien (VT) und die Symptome 3

Die ventrikuläre Rhythmusstörung, auch Kammerrhythmusstörung, entsteht meist nach einem Herzinfarkt und geht von Vernarbungen der betroffenen Herzkammer aus. Bei der monomorphen ventrikulären Arhythmie entsteht die Störung immer an derselben Stelle in der Herzkammer und kann das Risiko eines plötzlichen Herztodes mit sich bringen.

Symptome
Als Leitsymptom gilt „Herzrasen“ mit drei aufeinander folgende Salven und einem Puls von mindestens 120 Herzschlägen pro Minute. Eine anhaltende VT verläuft fast immer mit Palpitationen, die vom Patienten als schnelle, kräftige oder unregelmäßige Herzschläge wahrgenommen werden.

Therapie
Bei der medikamentösen Akuttherapie wird Amiodaron bevorzugt verabreicht.

Das primäre Ziel der Therapie ist eher die Prävention eines plötzlichen Herztodes als die bloße Unterdrückung der Arrhythmie. Dazu eignet sich am besten ein implantierbarer Kardioverterdefibrillator (ICD).

Eine Langzeittherapie ist nicht erforderlich, wenn die Arrhythmie durch eine vorübergehende Ursache, z. B. während der ersten 48 Stunden nach einem Herzinfarkt oder durch eine reversible Ursache (z. B. Störungen im Säure-Basen-Haushalt, Elektrolytentgleisungen, oder Medikamente) ausgelöst wurde.


AV-Knoten-Tachykardie

Hier handelt es sich um Rhythmusstörungen, die auf veränderte Leitungsfähigkeit im AV-Knoten zurückzuführen sind. Der AV-Knoten ist eine Art elektrische Umschaltstelle zwischen den beiden Vorhöfen und den beiden Herzkammern und empfängt Signale vom Sinusknoten. Ist der AV-Knoten gestört, können krankhafte Signale vom Sinusknoten direkt den Herzmuskel erreichen.

Symptome
Bei „Herzrasen“ kann es zu Schwindel, Übelkeit oder Angina pectoris kommen. Herzstechen im linken Brustraum kann eine Reaktion des Nervensystems auf Unregelmäßigkeiten im Herzen sein, aber auch auf Verspannungen hinweisen. Es wird weiterhin von Schweißausbrüchen und Ohnmachtsanfällen berichtet.


WPW-Syndrom (Wolff-Parkinson-White-Syndrom)

Durch eine angeborene zusätzliche Erregungsleitung zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern entsteht ein „Kurzschluss“, die Folge sind plötzliche Ausbrüche von „Herzrasen“.

Symptome
Ein WPW-Syndrom kann völlig ohne Symptome verlaufen und wird oft nur durch Zufall entdeckt. Diese Form der Rhythmusstörungen tritt anfallsartig auf. Bei manche Patienten rufen die „starken Herzschläge“ (Palpitationen) Angst hervor, sie gelten aber als völlig harmlos.

Bedrohlich kann eine anfallsartige Tachykardie (schneller Puls ab 120 Schläge pro Minute) mit hämodynamischen Auswirkungen werden (hoher Blutdruck, krankhaftem Cholesterinspiegel, vermindertem Blutausstoß der Herzkammern und verringerte Fließeigenschaften), wenn aufgrund der schnellen Abfolge von Herzschlägen eine ausreichende Füllung der Ventrikel nicht mehr gewährleistet ist. Die Folge sind Ohnmachtsanfälle.