Schon in den 1950er Jahren wurde in Kliniken beobachtet, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale besonders häufig mit Herzkrankheiten einher gingen. Diese Personen wurden als hart arbeitende Menschen beschrieben, deren Ziel immer der berufliche Erfolg war. Das Besondere an ihnen war, dass sie gerade in der Zeit vor einem Herzinfarkt unter besonderen Druck standen, ehrgeizig und unruhig waren. Und wenn man sie blockierte, neigen sie zu Wutausbrüchen und Ärger. Obwohl sie umso mehr arbeiten, fühlen sie sich als Versager.1

Das Szenario scheint einen cholerischen Manager zu beschreiben. Heute wissen wir, dass einiges daran richtig ist, aber doch nicht so einfach.

Die eigenen Stressoren kennenlernen

Viele Herzkranke scheinen pflichtbesessen und voller Sehnsucht nach Anerkennung zu sein, und geraten in Wut, wenn sie diese Anerkennung nicht finden.

Eine ablehnende oder feindseligen Haltung der Umgebung gegenüber und Neigung zu Ärger gehören bei Herz-Kreislauf Patienten zu den gefährlichen Stressoren. Außerdem findet sich bei diesem Persönlichkeitstypus häufiger die Neigung zu gesundheitsschädlichem Verhalten wie Rauchen, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung.

Typ-D-Persönlichkeit

Neuere Beobachtungen aus den 1990er Jahren zeigten, dass eine Kombination von bestimmten Persönlichkeitsprofilen Herzkrankheiten auslösen oder verschlimmern kann. Sie wurde die „Typ-D-Persönlichkeit“ genannt:

Diese Personen vereinigen belastende Eigenschaften wie Depressivität, Angst und Ärger und sind zudem nicht in der Lage, über ihre Situation zu sprechen. Sie „fressen“ ihre Angst in sich hinein.

Das heißt nicht, dass diese Menschen schon an Depressionen oder einer Angststörung leiden. Allerdings sind die Grenzen zwischen normaler Angst und krankhafter Angst manchmal verschwommen. Das trifft auch auf die Depression zu, denn sich mal niedergeschlagen fühlen  muss nicht gleich eine Depression sein.  Genauso verhält es sich bei normalem Ärger und krankhafter Feindseligkeit.

Das Typ-D-Muster führt zu chronischem Stresserleben.

Diagnose

Wer herausfinden will, ob dieses Persönlichkeitsmuster zu einem passt, kann sich folgende Fragen stellen:

  • Fühle ich mich häufig deprimiert oder hoffnungslos?
  • Fühle ich mich häufig angespannt oder ängstlich?
  • Rege ich mich häufig über andere Menschen auf?
  • Kann ich meine Gefühle und Gedanken anderen Menschen gut mitteilen?2

Behandlung

Herz-Kreislauf-Kranke Menschen, die zu Wutanfälle neigen oder sich leicht über andere ärgern, bringen das zunächst nicht mit ihrer Herzerkrankung in Verbindung und gehen deshalb auch nicht zum Arzt. Patienten mit Typ-D-Muster geraten leichter unter Leidensdruck, da sie vorwiegend unter depressiv-ängstlicher Verstimmung leiden und oft einen Versagensdruck empfinden.

Anti-Stress-Training oder Stress-Management-Training sowie Entspannungsübungen werden in REHA-Kliniken angeboten. Die daran anschließende Inanspruchnahme längerfristiger Angebote wie einer „Herzgruppe“ kann nach klinischer Erfahrung bei Patienten mit Typ-D-Muster eine sehr wertvolle Stärkung  guter sozialer Unterstützung bedeuten.“3

Risikoverhalten

Rauchen und vor allem kohlehydratreiche Kost wirken direkt antidepressiv und angstlösend und sind deshalb bei Herzpatienten verbreitet, die unter depressiven oder ängstlichen Zuständen leiden. Wichtig ist deshalb eine Selbstbeobachtung, um diese oft unbewussten, aber leider schädlichen Anti-Stress-Maßnahmen festzustellen und Alternativen zu finden.

1 Christian Albus in Psychokardiologie – Ein Praxisleitfaden für Ärzte und Psychologen; Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2008, S. 77

2 Ebenda, Seite 81

3 Ebenda, S. 83