Fast alle REHA-Patienten haben Entspannungsübungen eingeübt. Nahezu jeder kann von Entspannungsübungen profitieren, deshalb werden sie bei Herzpatienten häufig eingesetzt. Die Verfahren können dabei sehr unterschiedlich sein, aber sie haben alle eines gemeinsam: Sie sollen für eine Entspannungsreaktion sorgen.

Was sollen Entspannungsübungen bewirken?

Die Wirkung auf Körper und Psyche sind vielfältig und gut dokumentiert.

Physiologisch sorgen Entspannungsübungen für gleichmäßige, ruhige Atemfrequenz, senken den Blutdruck, bewirken eine gesteigerte Gehirndurchblutung und einen Anstieg der Hauttemperatur.

Die Wirkung auf das neuronale Nervensystem ist erwiesen: Entspannungsübungen dämpfen den Sympathikus, der für Erregungszustände sorgt und aktivieren seinen Gegenspieler, den Parasympathikus, der Körper und Geist beruhigt.

Auf psychischer Ebene bewirkten Entspannungsübungen eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit, gesteigertes Wohlbefinden und sorgen für mehr Ausgeglichenheit. Einige Entspannungsübungen wirken sogar anxiolytisch, also angsthemmend.

Patienten, die regelmäßig Entspannungsübungen machen, lernen ihren Körper und Geist besser kennen und sind in der Lage, aufkommenden Erregungszuständen rechtzeitig entgegen zu wirken.

Wann darf man Entspannungsübungen machen?

● bei Stress und Schlafstörungen

● bei Angststörungen

● bei leichten depressiven Erscheinungen

● bei starken Belastungen oder Traumatisierungen

● bei Bluthochdruck

● bei somatoformen Störungen (z.B. Herzneurose)

● bei Durchblutungsstörungen

● bei akuten und chronischen Schmerzen

Wann darf man Entspannungsübungen nicht machen?

● bei schweren Depressionen

● bei Zwangsvorstellungen

● bei Hypochondrie

● bei Demenz

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Welche Entspannungsverfahren gibt es?


Progressive Muskelentspannung (PMR)

Die Wirkung der Angst lösenden Muskelentspannung erleben wir jeden Tag. Wenn wir erschrecken, verkrampft sich unsere Muskulatur. Das ist ein natürlicher Schutzreflex: Der Blutstrom wird aus den Organen und aus dem Gehirn in die Muskulatur gepumpt, das Nervensystem versetzt uns reflexhaft in höchste Anspannung.

Schon 1938 erkannte der amerikanische Arzt Edmund Jacobson, dass die Entspannung der Muskulatur Angst lösen kann. Bei PMR werden gezielt unterschiedliche Muskelgruppen nacheinander in Anspannung versetzt, um sie langsam wieder zu entspannen. Der Prozess der Muskelentspannung löst Angstzustände – es ist uns unmöglich, in entspanntem Zustand Angst zu empfinden. Diesen Sachverhalt nutzt die Progressive Muskelentspannung aus.

Wer sie einmal erlernt hat, kann PMR jederzeit anwenden, im Bus, vor einer Besprechung oder vor dem Einschlafen.


Atementspannung

An der Atmung ist gut zu erkennen, ob wir uns in einem angespannten Zustand oder im Entspannungszustand befinden. Flache, schnelle und unregelmäßige Atmung deutet auf Anspannung hin. Tiefe, ruhige und regelmäßige Atmung deutet auf Entspannung hin. Wenn Patienten mit ein wenig Übung in der Lage sind, ihre eigene Atmung deutlicher wahrzunehmen, gelingt es ohne große Mühe, diese Übungen auch in den Alltag zu integrieren.

Für wen ist Atementspannung geeignet?

In akuten Belastungssituationen können Atemübungen zu einer schnellen Entlastung führen.

Für wen sind Atemübungen nicht geeignet?

Liegt eine schwerwiegende psychische oder körperliche Erkrankung vor, sind Atemübungen eher als Zusatzübung zu anderen Entspannungsübungen zu sehen.


Imagination

Imaginative Entspannungsübungen arbeiten mit der Vorstellungskraft der Patienten, die sich während der Übung in einem flachen Trancezustand befinden. Weit verbreitet ist die Arbeit mit einem Ruhebild, das positive Gefühle übermittelt, etwa indem sich der Patient eine Gebirgswiese oder einen sonnigen Strand vorstellt. Die Vorstellung von Ruhebildern wirkt entspannend. Am besten sollte man diese Technik bei einem Übungsleiter erlernen.

Für wen sind Imaginationen geeignet?

Für Patienten, die bereits Erfahrung mit Entspannungsübungen haben bei Schlafstörungen, Angsterkrankungen und Schmerzen.


Hypnose

Hypnose kennt zwei unterschiedliche Trancezustände. Flache Hypnose wird zur Therapie von Angstzuständen, Phobien oder Zwangserkrankungen angewandt. Tiefenhypnose hat tiefenentspannende Wirkung.

Ähnlich der Imagination werden in Hypnosesitzungen Ruhebilder vermittelt und zusätzlich Entspannungsanker gesetzt, die Patienten auch im Wachzustand abrufen sollen. Im hypnotischen Zustand können auch andere Entspannungsübungen angewendet werden.

Für wen sind Hypnoseübungen geeignet?

Geeignet für Schmerzpatienten, bei Bluthochdruck und Angstzuständen.

Für wen sind Hypnoseübungen nicht geeignet?

Bei Psychosen, schwerer Depression, Wahnvorstellungen und Demenz.


Körpertherapien

Schon zu Beginn der Psychotherapie entwickelte Wilhelm Reich, ein Kollege und späterer Konkurrent von Sigmund Freud,  die Körpertherapie. Er erkannte die entspannende Wirkung von Berührung und Temperaturwechseln. Vegetotherapeuten arbeiten mit Gerüchen, Entspannungsmusik und Berührung, um alle menschlichen Sinne zu aktivieren und zu beruhigen.