Die Psychokardiologie beschäftigt sich mit den psychischen Belastungen, die nach einer Herzerkrankung auftreten. Umgekehrt untersucht sie die Zusammenhänge zwischen dauerhaften seelischen Belastungen und der Entstehung neuer Herzerkrankungen.

Die Psychokardiologie beschreibt also die Wechselwirkung zwischen Herz und Psyche und hat in den letzten zehn Jahren in den Fachgebieten Kardiologie und Psychosomatik an Bedeutung gewonnen. Während in den frühen 90er Jahren rein medizinische, medikamentöse und chirurgische Aspekte sowie die Entwicklung der Gerätemedizin im Vordergrund standen, haben seither psychologische Fragestellungen das Behandlungsspektrum von Herzerkrankungen abgerundet.

Die Tatsache, dass jeder dritte Herzpatient unter den Folgeerscheinungen von seelischen Belastungen leidet, führte zur Ausarbeitung psychotherapeutischer Behandlungsstrategien. Im Vordergrund stehen die frühzeitige Behandlung von Ängsten, wenn sie Krankheitswert erlangt haben, Depressionen, posttraumatischen Belastungen, der Neigung zu Wut im Zusammenhang mit entsprechenden Persönlichkeitsaspekten und sozialer Isolation.

Niedrigschwellige Selbsthilfe: Zugang zu Informationen für Herzkranke schaffen

Wer heute unter Herzrhythmusstörungen leidet oder einen Herzinfarkt erleidet, hat gute Chancen zur Heilung, denn in Deutschland sind wir bei der Akutversorgung sehr gut aufgestellt – ebenso in der Gerätemedizin, der REHA und der psychotherapeutischen Ausbildung. Im niedrigschwelligen Bereich der therapeutischen Vorsorge und Prävention stehen wir dagegen noch am Anfang.

Ziel niedrigschwelliger Selbsthilfe ist, Herzpatienten mit seelischen Belastungen Zugang zu Informationen über ihre körperliche Krankheit und die möglichen psychischen und sozialen Folgen zu verschaffen. Denn wer aus der REHA kommt, findet zunächst wenige Erklärungen für seelische und mentale Veränderungen, die sich einstellen können und interpretiert körperliche Veränderungen deshalb oft falsch.

Neue Lebensentwürfe nach der Herzerkrankung

Herzsportgruppen und Wandergruppen decken den Bewegungsaspekt der therapeutischen Prävention gut ab. Psychokardiologen gehen davon aus, dass die Erkrankung des Herzens nur das Endstadium eines lebenslangen Prozesses ist. Entspannungsübungen, Achtsamkeitsübungen und biografisches Arbeiten können helfen, einen geeigneten Lebensstil mit Erkrankung zu finden. In Gruppentreffen lernen Menschen Lösungsansätze anderer zu nutzen, um mit Ängsten oder Depressionen umzugehen bzw. sich professionelle Hilfe zu suchen.