Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso manche Menschen auf katastrophale Ereignisse gelassen reagieren, während andere schier daran zerbrechen und das Trauma ihr Leben lang nicht loswerden? Wieso ist die innere Widerstandskraft nicht bei allen Menschen gleich?

Lange haben Psychologen versucht, darauf eine Antwort zu finden. Einig sind sie sich, dass es wohl bestimmte „Schutz-Faktoren“ gibt, die darüber entscheiden, wie widerstandsfähig wir sind.

Individuelle Schutzfaktoren

Einige Merkmale dieser Schutzfaktoren zeigen sich schon im frühen Kindesalter. Solche Kleinkinder werden als sympathisch wahrgenommen, sind freundlich, „brav“, gesellig und trotzdem aktiv. Sie neigen früh dazu, Probleme selber in die Hand zu nehmen und suchen Hilfe, wenn sie nicht weiter wissen. Und sie haben ein hohes Selbstwertgefühl, denn sie sind stolz auf sich und werden von den Eltern bestätigt. Früh haben sie gelernt, was Psychologen „Selbstwirksamkeit“ nennen – also die Fähigkeit, selbst auf Probleme einwirken zu können.

Das hat Konsequenzen im Alter: Diese Menschen haben ein positives Selbstbild entwickelt und wissen, dass sie Problemen nicht hilflos ausgeliefert sind, während Menschen mit negativem Selbstbild wenig Selbstwertgefühl ausbilden und zu dem Verhaltensmuster der „erlernten Hilflosigkeit“ neigen.

Familiärer Schutzfaktor

Stabile Leitbilder in der Familie scheinen eine Rolle zu spielen, um innere Festigkeit zu entwickeln. Ob ältere Geschwister, ob Onkel oder Tante, wichtig ist die sensible Hinwendung der Bezugsperson und ein Verständnis für die Probleme von Heranwachsenden. Konnte das Kind lernen, selbständig zu sein, seinen Willen zu äußern, ohne Bestrafung befürchten zu müssen und wird ihm beigebracht, Gefühle zu regulieren, kann ein selbstbewusster Erwachsener entstehen.

Wer hohen Selbstwert mit Leistung gleichsetzt, unterwirft sich vergifteten Gefühlen von Schuld und Scham, wenn mal was schief geht. Oft haben wir innere Antreiben, die sagen: Ich bin nur etwas wert, wenn ich viel geleistet habe – und ich bin nichts wert, wenn ich einen Rückschlag erlebt habe. Im Gegensatz dazu erleben sich sogenannte Steh-auf-Männchen trotz Niederlage als vollwertig und liebenswert.

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Resilienz üben
Aber wie kann man Resilienz üben, wenn einem die innere Widerstandskraft nicht in die Wiege gelegt wurde?

Hilfe suchen bei Gleichgesinnten
In unserer Selbsthilfegruppe haben wir die Erfahrung gemacht, dass jeder einzelne vom Gespräch und Erfahrungsaustausch profitieren kann. Welche Erfahrungen haben andere mit der Lösung von Problemen gemacht? Und wie stellen es andere an, aus einer Krise heraus zu kommen? Von Problemen erzählen hilft schon, einen ersten Schritt aus der Krise zu tun. Und zuhören, vielleicht kann man sich das eine oder andere abschauen.

Wie habe ich es früher gemacht?
Jeder hat schon große Krisen überstanden. Wie groß eine Krise ist, entscheidet man immer selbst. Forschen Sie in Ihrer Vergangenheit: Welche Impulse haben Sie damals befähigt, schlimme Situationen zu bewältigen – als der Krieg zu Ende ging und Sie verzweifelt waren; als Ihre erste große Liebe sie verlassen hat; oder Sie Angst vor der Kündigung hatten. Wie haben Sie es früher gemacht? Tun Sie es wieder!

Auf den Blickwinkel kommt es an
Ist die Krise wirklich so groß, wie man befürchtet? Oder stecken viele Interpretationen, Halbwissen oder Vermutungen in Ihrer Bewertung? Auch wenn das krisenhafte Ereignis die ganze Lebensplanung verändern mag, vielleicht bin ich in der Lage, mich anzupassen und die Veränderung in meine Lebensplanung zu integrieren.

Große Entscheidungen sollte man aber nur im entspannten Zustand treffen. Angst und Stress setzen Cortisol frei, wir werden nervös, aggressiv und verlieren die Fähigkeit, gelassen und kreativ zu denken.

Entspannungsübungen machen
Stress ist auch eine Antwort des Körpers auf innere Anspannung. Entspannungsübungen wirken Stress entgegen. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt, einfach auszuprobieren, was zu einem passt – die einen bevorzugen Joga oder Achtsamkeitsübungen und lernen dabei, ihre Gedanken zu regulieren. Andere haben gute Erfahrungen mit Progressiver Muskelentspannung gemacht, die in vielen REHA-Kliniken erfolgreich angewandt wird. Dritte wiederum können bei Bewegung und Sport abschalten. Die Regelmäßigkeit bewirkt den Erfolg und bringt positive Gedanken. Viele Krankenkassen fördern Entspannungsübungen.

Weg der kleinen Schritte

Durchbrechen Sie den Kreislauf aus Angst und schlaflosen Nächten, maroden Gedanken und innerer Einsamkeit: Üben Sie positive Gedanken, stellen Sie sich genau vor, wie sie die Krise bewältigen könnten, stellen Sie die Zauberfrage: „Was müsste passieren, damit es wieder besser wird!“ Aber gehen Sie kleine Schritte, stellen Sie keine unrealistischen Ziele auf. Wer aktiv bleibt, gewinnt.