Wie bewältige ich Stress?

Das Tempo im Alltag nimmt stetig zu, fast jeder fühlt sich gestresst. Stress am Arbeitsplatz, in der Familie, mit dem Geld… Stress erhöht den Blutdruck und ist auf diesem Wege einer der großen Verursacher für Herzerkrankungen. Die Deutsche Herzstiftung hat acht bewährte Techniken zusammengefasst, um sich vor schädlichem Stress zu schützen.

Allerdings: Nicht jede Form von Stress ist schädlich. Manche fühlen sich erst wohl, wenn das Blut in Wallung gerät. Erst wenn die beruflichen und familiären Spannungen überhand nehmen, Schlaflosigkeit eintritt und der Blutdruck dauerhaft steigt, ist aus dem positiven Stress ein negativer Stress geworden. Der Psychokardiologe Professor Karl-Heinz Ladwig hat für die Deutsche Herzstiftung acht Ratschläge zusammengestellt, mit denen sich deutliche Erfolge erzielen lassen, um den Stresspegel zu senken.

Tipp 1
Wechseln Sie in die Vogelperspektive

Der bewusste Wechsel in die Vogelperspektive zählt zu den wirkungsvollsten Techniken, um Stress abzubauen. Stress kann wie ein Strudel wirken, dann wird das Gefühlserleben immer unübersichtlicher. Wer in Gedanken neben sich tritt und sich selbst beobachtet, distanziert sich von den Gefühlen. Seien Sie also nur Beobachter und sehen Sie sich zu, wie Sie sich über den Autobahnstau aufregen. Schnell werden Sie zu dem Schluss kommen, dass man bestimmte Tatsachen nicht verändern kann, auch wenn man sich noch so ärgert.

Vielleicht wird es anfangs nicht immer gelingen, eine innere Distanz aufzubauen. Aber je öfter Sie es üben, umso leichter fällt es.

Tipp 2
Sport und Bewegung

Betrachten Sie Körper, Seele und Geist als eine Einheit. Sport baut Stress ab, schon eine halbe Stunde Jogging, bei älteren Herzkranken auch rasches Gehen, pro Tag kann Wunder wirken. Allerdings nicht am Abend, denn unmittelbar nach dem Sport kann der Blutdruck für ein paar Stunden erhöht sein und Sie werden nicht einschlafen können.

Tipp 3
Den Stress bei der Wurzel packen

Das ist leichter gesagt als getan. Üben Sie de-eskalierende Gesprächsführung – klingt schwer, ist aber leicht! Legen Sie nicht jedes gesagte Wort auf die Waagschale und nehmen Sie nicht alles persönlich. Wer einen cholerischen Chef hat, wird mit diskutieren nicht weit kommen, das ist frustrierend, aber Tatsache. Wenn Sie von der Arbeit nach Hause gehen, machen Sie die Tür zu und lassen das Problem am Arbeitsplatz.

Anders sieht es im privaten Bereich, in der Ehe oder mit dem Lebenspartner aus. Oft existieren in Beziehungen nicht-ausgesprochene Regeln, die immer wieder zu Streit führen.
Hören Sie zu, anstatt schon ihre eigenen Gedanken zu formulieren, während der Andere noch redet. Geben Sie dem Partner Zeit, das Gesagte zu verarbeiten. Stellen Sie die Wunderfrage: Was müsste denn passieren, damit es anders wird? Finden Sie heraus, was den Stress eigentlich auslöst. Oft sehen wir zwar das Endprodukt des Problems, aber nicht den Auslöser.

Tipp 4
Die richtige Entspannungsübung finden

Hervorragend zum Stressabbau geeignet sind Entspannungsübungen. Am einfachsten ist es, verschiedene Techniken aus zu probieren. Schnell bemerkt man, welche zu einem passt. Manche bevorzugen es, alleine zu meditieren. Schon wer „geistesabwesend“ aus dem Fenster schaut und sich dabei von seinen Gedanken entleert, macht Selbsthypnose – und der Blutdruck sinkt. Andere entspannen lieber bei der beruhigenden Stimme eines Übungsleiters und in der Gruppenatmosphäre. Wichtig ist: Wer seine Entspannungstechnik gefunden hat, sollte sie immer wieder einüben, denn umso besser wirkt sie.

Tipp 5
Der Gegenentwurf zum Dauerstress

Zu den wichtigsten Maßnahmen zur Bewältigung von negativem Stress zählt die Deutsche Herzstiftung den sog. „Gegenentwurf“, die Pflege eigener Interessen, Hobbys und Vorlieben, die entspannen und beruhigen. Wer an einem Winterabend ins Hallenbad geht, wird in der einen Ecke des Beckens eine Personengruppe sehen, die sich angeregt unterhält, während auf der anderen Seite Schwimmer Bahn für Bahn ziehen. Die einen suchen die Gemeinsamkeit und nutzen das entspannende Ambiente, während die anderen ihren Körper spüren wollen. Beides wirkt den Herausforderungen des Arbeitsalltags entgegen.

Tipp 6
Keine Entspannungskiller

Wer geistig aktiv bleibt, hat mehr vom Leben. Natürlich ist es verlockend, nach der Arbeit den Fernseher anzuschalten und auf der Couch dahin zu dösen. Danach hat man allerdings das Gefühl, nichts getan zu haben und der Stress ist immer noch da. Wir geraten schleichend in eine Isolation. Wirken Sie dagegen, indem Sie Verabredungen planen, die Sie nicht mehr absagen können. Treffen Sie Freunde, denn Reden und Zuhören entlastet die Seele.

Tipp 7
Vorsicht vor Medikamenten

Leider verschreiben manche Ärzte viel zu schnell Beruhigungsmittel, weil die Patienten das verlangen. Aber Vorsicht! Die weit verbreiteten Benzodiazepine sind nur für den kurzfristigen Gebrauch gedacht. Die Nebenwirkungen können beträchtlich sein, es ist mit Konzentrationsschwächen, Mattigkeitsgefühl und Benommenheit zu rechnen. Bei langfristiger Einnahme dreht sich die Wirkung um, es kommt zu massiven Schlafstörungen, Angst- und Panikausbrüchen, beim Absetzen entstehen Entzugserscheinungen. Oft ist schon mit natürlichen Präparaten wie Baldrian oder Hopfen geholfen.

Tipp 8
Sich nicht nur ernähren, sondern das Essen zelebrieren

Bereiten Sie Ihr Essen nicht nur für den Magen, sondern auch für die Sinne. Betrachten Sie die Zubereitung nicht als Last, sondern als Lust. Gönnen Sie sich Zeit, setzen Sie Genuss und Entschleunigung gegen zu viel, zu schnell, zu üppig. Wer die Essenszeit als Entspannung betrachtet, baut Stress ab. Bei Herzerkrankungen wird leichte, mediterrane Kost empfohlen.

Quelle: http://www.herzstiftung.de/Stress-Herz.html